Spaziert man durch die Stadt so erzählt jedes Stückchen Mauer und jeder Bau der Altstadt Tatsachen und Anekdoten. Die Bauten, die vielen Elemente römischer Architektur aufweisen, sind ein wertvoller Geschichtsschatz dieser Stadt. Da ist zum Beispiel die mächtige, fast 10 Meter hohe Stadtmauer aus dem 2. Jhdt. v. Chr., die aus grossen rechteckigen Tuffsteinblöcken erbaut wurden. Diese Verteidigungsmauer ist 200 Meter lang und erstreckte sich ursprünglich über 2 km. Ausserdem findet man hier auch römische Wasserquellen, kopflose Statuen, die unterirdische Grottenwelt und vieles mehr.
Im Gebiet von Osimo gibt es viele alte Quellen und das Quellwasser fliesst auch heute noch auf natürliche Weise von den Hängen des Hügels. Die älteste und wichtigste Wasserquelle ist die Fonte Magna. Eingebettet in dichter Vegetation präsentiert sie sich als eine monumentale Quelle. Sie stammt aus dem 1. Jhdt. v. Chr. und ist ein römisches Nymphäum. Ein Nymphäum bedeutet ein Nymphenheiligtum, welches üblicherweise über einem Brunnen oder Quelle halbkreisförmig errichtet wird. So auch die Fonte Magna, sie hat eine halbrunde Form und war einst von einem verzierten Gewölbe bedeckt.
Früher diente sie als Waschhaus und Wasserquelle und natürlich gibt es eine Anekdote. Der Geschichte nach tränkte Pompeo Magno, ein römischer Feldherr, bei einem Halt in der Stadt seine Pferde. Bevor sie während der Bürgerkriege Caesar angriffen benutzte er und seine Soldaten diese Quelle nicht nur zum Tränken der Pferde, sondern auch zur Erfrischung. Pompeo Magno (Pompeius der Grosse) war römischer Politiker und Feldherr und bis zur Niederlage gegen Caesar galt er als der brillianteste Heerführer seiner Zeit.
Beim Betreten des Rathauses wird man zuerst auf die zwölf kopflosen römischen Statuen aufmerksam. Diese 12 Statuen standen einst auf dem Forum der Stadt. Die Bezeichnung „Kopflose“ – senza testa – wurde von diesen kopflosen Statuen für die Einwohner von Osimo hergeleitet und sie tragen diese Bezeichnung bis heute, mit Stolz.
Das Geheimnis um diese kopflosen Stauten ist bis jedoch nicht wirklich geklärt. Es gibt viele Vermutungen: die Unschlüssigkeit des Bildhauers, ein Akt der Missachtung des Kirchenstaates gegenüber den Osimo-Rebellen, Kriegsereignisse oder die Auslöschung des Heidentums. Die meist gültige Hypothese ist und so sagt es auch die Überlieferung dass die Statuen 1487 vom Mailänder General Trivulzio während einer Besetzung enthauptet wurden, da er beschloss die Stadt lächerlich zu machen. Durch das Köpfen der Statuen verschonte er aber so den Adel.
Aber das Atrium des Rathauses bietet noch viel mehr und ist ein Sprung in die dreitausendjährige Vergangenheit. Epigraphen (antike Inschriften), Flachreliefs aus der Römerzeit, architektonische Elemente aus dem Mittelalter und der Renaissance, Artilleriegeschütze, verschiedene Kanonenkugeln, ein Löschwagen aus dem ersten Weltkrieg, all das kann man hier finden.
Die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit gegenüber dem Rathaus ist zwar klein, aber sehr anmutig. Die Marmorfassade mit einem wertvollen Portal ist reich verziert. Im Inneren besteht die Kirche aus einem einzigen Kirchenschiff mit kunstvoll gestalteten Wänden, vergoldeten korinthischen Kapitellen, Fresken des Jesi-Künstlers Luigi Mancini, des Tauben. Das Altarbild der Heiligen Dreifaltigkeit und des Heiligen Hauses von Loreto stammen vom Maler Guido Reni.
Vom Piazza Boccolino taucht man in das Altstadtviertel ein. Ein elegantes Theater, das Teatro La Nuova Fenice, Geschäfte und herzige Cafè’s findet man dort. Und wenn es in der Altstadt von Leuten wimmelt, so bietet Osimo auch die Stille einer unterirdischen Stadt.
Le Grotte von Osimo mit ihren unterirdischen Gängen, den ausgehöhlten Wegen in Sandstein und mit rätselhaften Hochreliefs versehenen Wänden sind eine komplexe, geheimnisvolle und gegliederte unterirdische Anlage. Sie erstreckt sich auf mehreren Ebenen unter der Strasse, den historischen Gebäuden und den Plätzen. In den Nischen und Wänden sind geheimnisvolle Embleme des Tempelritterordens eingraviert. Man kann die Mystik und die geheimnisvolle Aura spüren und die Stille geniessen. Die Grotten Fregonara-Gallo, Grotte di Piazza Dante, Grotte Simonetti, Grotte Del Cantinone bieten wirklich interessante unterirdische Einblicke.
Über all dem ragt der Dom San Leopardo, im römisch-gotischen Stil mit einer Krypta aus dem 12. Jahrhundert, in den Himmel empor. Er wurde im 5. Jahrhundert zunächst als eine einschiffige Kirche auf einen römischen Tempel im Zentrum der Stadt erbaut. Im 13. Jahrhundert wurde sie dann als romanische Kirche mit dem heutigen Chor und der seitlich darunter liegenden Krypta errichtet. Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Struktur der romanischen Kirche durch die Einführung gotischer Elemente verändert.
1393 wurde das Gebäude leider Opfer eines Brandes und teilweise zerstört. Danach erfolgten zahlreiche Um- und Ausbauten. Eine weitere Umgestaltung erfolgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. So wurde der Treppenaufgang entfernt und die beiden seitlichen Rampen, die zur Krypta führten. Zwei neue Seitenkapellen wurden gebaut und die Seitenaltäre, sowie auch die Medaillons mit den Porträts der Bischöfe der Diözese, die die Innenwände geschmückt hatten, wurden entfernt.
1955 verlieh Papst Pius XII. der damaligen Kathedrale den Titel einer Basilica minor und 1986 wurde sie im Zuge der Neuorganisation der italienischen Bistümer zur Konkathedrale.
In den Gässchen von Osimo findet man weitere Heiligtümer, sowie die Kirche von San Francesco, wo der heilige Schutzpatron von Osimo lebte.
Mehr über Osimo und dem Leben und Treiben hier im nächsten Blog.
Beschreibung der Bilder:
Nr. 01 - Blick in die Galerie und Atrium des Rathauses
Nr. 02 - Osterprozession vom Dom in die Stadt
Nr. 03 - Kopflose Statuen in der Galerie des Rathauses
Nr. 04 - Kopflose Statue im Atrium
Nr. 05 - Der Löschwagen
Nr. 06 - architektonische Elemente aus dem Mittelalter
Nr. 07 - Mura Romana
Nr. 08 - Fonte Magna (von oben)
Nr. 09 - Der Dom San Leopardo
Nr. 10 - Fonte Magna
Nr. 11 - Piazza Boccolino mit Brunnen
Nr. 12 - Fonte Magna
Nr. 13 - Fonte Magna
Nr. 14 - Altarbild im Dom
Nr. 15 - Grotten von Osimo
Nr. 16 - Atrium des Rathauses
Nr. 17 - "Kopflose"
Nr. 18 - Im Dom San Leopardo
Nr. 19 - Artilleriegeschütz und Löschwagen
Nr. 20 - Mura Romana
Nr. 21 - Blick in die Altstadt